Willkommen dahoam

Liebe Pfarrgemeinde,

als wir - Domkapitular Hans Ammer und ich - vor zwei Monaten zu Ihnen kommen mussten, kamen wir mit einem schweren Paket. Ein junger Mann hatte eine schwere Beschuldigung gegen ihren Pfarrer vorgebracht.

Wir musssten reagieren, die Beschuldigung zur Anzeige weiterleiten und den Beschuldigten für die Zeit der Ermittlungen beurlauben.

Am Schlimmsten war jedoch die Frage: Wie soll man mit dieser Unsicherheit umgehen? Da ist die Unschuldsvermutung auf der einen Seite und die konkrete Beschuldigung auf der anderen.

Als Pfarrei haben sie großartig reagiert: Sie haben die Unschuldsvermutung mit christlichen Geist gefüllt und im gemeinsamen, wöchentlichen Rosenkranz für ihren Pfarrer gebetet. Sie haben damit ihre Unsicherheit Maria, der Mutter unseres Herrn, anheimgegeben. Sie haben Gott anvertraut, was uns innerlich zerrissen hat. Und sie haben menschlich die Unschuld vermutet und erhofft. Und es gab auch Briefe und Telefonate, Grüße und menschliche Nähe zum beschuldigten Pfarrer. Viele haben zusammen geholfen; Pfarrsekretärinnen, Nachbarpfarrer und Aushilfen.

Wir beide, Hans Ammer und ich, sind von dieser großen, christlichen Haltung der Pfarrei sehr beeindruckt und möchten uns bei Ihnen sehr bedanken.

Wir tun es heute angesichts der Tatsache, dass die Staatsanwaltschaft Regensburg die Ermittlungen inzwischen eingestellt hat. Die Behörden haben schnell gearbeitet und sie haben es nach meiner Einschätzung gründlich getan, haben viele Personen vernommen aus dem Umfeld des Beschuldigten und des Beschuldigers. Und sie haben die Fakten und Angaben geprüft auf Widersprüche und Plausibilitäten.

Das Ergebnis kennen sie: Die Beschuldigung ist höchst unglaubwürdig. Und es gibt für die Diözese keinen Grund, an diesem Ermittlungsergebnis der Staatsanwaltschaft zu zweifeln. Dies bedeutet, dass du, Anton Schober, in alle Ämter und Aufgaben zurückkehren kannst: als Pfarrer, als Dekan, als Beichtvater und Bezirkspräses, und vieles andere mehr. Und du hast auch erklärt, dass du das willst und mit dem heutigen Tag wieder tust.

Lieber Herr Pfarrer, wir alle sind sehr erleichtert über dieses Ergebnis. Du hast eines der schlimmsten Dinge erlebt, die man sich vorstellen kann. Doch du hast dir und uns immer gesagt: Ich habe ein sicheres und ruhiges Gewissen. Du hast geduldig alle Maßnahmen angenommen und an den Ermittlungen mitgewirkt. Wir danken dir für diese Geduld, mit der du dieses Kreuz angenommen hast. Ja, es war ein schweres Kreuz, und die Drückwunden werden noch nicht so schnell verheilen.

Aber heute freuen wir uns mit dir und  - hier möchte ich für alle hier sprechen - wir heißen dich mit offenen Armen herzlich willkommen. Lieber Herr Pfarrer, lieber Anton: Wir rufen dir zu: Willkommen zurück! Gottes Segen und die Fürsprache der Gottesmutter Maria, die nicht aufhört, für ihre Priester beim allmächtigen Gott zu beten.

 

Dies verkündete Generalvikar Fuchs am 21.09. und 22.09.2019 bei den Gottesdiensten